Alt-Text


Hof Zuort
CH - 7556
Ramosch GR
Tel/Fax: 081 866 31 53
info@zuort.ch

365 Tage offen
Open 365 days
Impressum
Text: P. R. Berry
Bilder: M. Galli
P. R. Berry
D. Jenny

Vor einhundert Jahren unternimmt der Holländische Dirigent Willem Mengelberg, eine prominente Persönlichkeit innerhalb der Musik-Avantgarde des zwanzigsten Jahrhunderts, eine Wanderung von seinem Ferienort Scuol-Tarasp aus Richtung Fimberpass mit Ziel Ischgl im Paznaun. Er kommt dabei in Zuort vorbei und ist von diesem mystischen Ort begeistert.

Er hat soeben seinen verehrten und berühmten Freund Gustav Mahler in dessen Tiroler Bauernhaus in Toblach im Pustertal besucht. So etwas wünscht auch er sich! Zuort soll seine Sommer-Residenz werden.

Ein Ort, wo Genuss und Lebenslust auf urtümliche Art gelebt werden können, auf kulturell und geographisch hohem Niveau:  Wein, Weib und Gesang, und gute Zigarren. Alles in freier Natur und auf 1711m ü.M.

Gesagt getan. Das Chalet, von ihm entworfen und von der einheimi­schen Familie Lanfranchi erbaut und von Schweizer Schnitzern, teils Einheimischen, reich  dekoriert, ist in seiner ersten Version 1911 fertig gestellt.

1920 kauft er von der Bauernfamilie Frigg den Hof mit Landwirtschaft dazu. Dessen Neffe Clot Corradin ist über zehn Jahre Pächter und als eigentlicher Bauführer verantwortlich.

Er wird selber zum Kunsthandwerker, unter Anleitung des Schnitzers Häfner aus Strada und dem Luzerner Furrer. Diese bauen die Kapelle als Blockbau und fertigen die kunstvolle Einrichtung inklusive Kirchenbänke und Altar. Alles nach exakten Vorgaben Mengelbergs. Die Arbeiten werden im Jahr 1928 im Wesentlichen abgeschlossen. Auch das Glockenspiel, ein sogenanntes Carillon - eine ausgesprochene Spezialität der Holländer - wird in Form von 15 Glocken, welche über eine Klaviatur bedient werden, von der berühmten und heute nach wie vor aktiven Glockengiesserei Rüetschi Aarau,  auf dem First der Ka­pelle installiert. Es funktioniert noch heute, auch wenn es nicht mehr regelmässig, wie zu Tante Elly’s Zeiten in den 80igern, bedient wird!

Eine mechatronische Aufrüstung mit elektronischer Klaviatur ist geplant. Dann wird das Carillon wieder täglich erklingen.

1951 ist das Todesjahr Mengelbergs (geboren am 28. März 1871 in Utrecht). In weiser Voraussicht hat er den Lehenshof mit Land und allen Gebäuden in eine Stiftung mit seinem Namen eingebracht. Somit konnten während rund 50 Jahren unzählige Musiker in den Sommerferien die Chasa besuchen und wurden vor Ort bis Sommer 1987 von Frl. Elly Heemskerk, als eigentliche Behüterin der Chasa, selbst im Stiftungsrat, bis ins hohe Alter, liebevoll betreut. Sie war Tochter eines berühmten Holländischen Admirals (Spitzbergen) und im Concertgebouw-Orchester Mengelbergs (40 Jahre lang war er Dirigent) ab 1918 erste Geigerin.

Bis zu Kriegsbeginn war Willem Mengelberg neben der Holländischen Königin die populärste Figur in Holland und unter anderem sogar Träger des höchsten Oranje Ordens.

Während den ersten Kriegsjahren dirigierte er trotz der  tragischen Verirrungen weiterhin in Nazi-Deutschland, eine Tatsache, welche Willem Mengelberg vorab in Holland zum Verhängnis wurde. Sein prominenter Deutscher Kollege Otto Klemperer, seit Ende der Dreissiger Jahre im amerikanischen Exil, bezeichnete Mengelbergs Kontakte zu Kriegsdeutschland sehr diskret “eine grosse Dummheit”.

Diese politischen Verfehlungen sind ein nicht wegzudiskutierender, aber heute abgeschlossener und archivierbarer Sachverhalt.

Das sprichwörtlich fröhliche Gemüt Mengelbergs und seine überragende künstlerische Leistung und Bedeutung sollen seine menschlich-politischen Verirrungen überdauern und wegweisend sein.

Sechzig Jahre später erfolgt Anfang 2010 der Verkauf, sozusagen der Beginn einer Zwischenphase. Es ist erklärtes Ziel des derzeitigen Eigentümers Dr. med. Peter Robert Berry IV, der sich selbst als “Schwungrad und Brücke für Zuort ad Interim” bezeichnet, dass der historische Lehenshof Zuort mit seinen Gebäuden und 16 Hektaren Land umgehend wieder in ein sinnvoll verwaltetes kollektives Eigentum übergeht. Ganz im Sinn des nachhaltigen Lehensvertrags von Sent, aus dem Jahr 1482.

Neu sind der internationale panalpine und der humanistische Ansatz.

Die musikalische Vergangenheit soll in Zuort in jedem Fall und umgehend wieder aufleben. Seit letzem Sommer bereits mit täglichen Waldkonzerten (ab Tonträger) in der Nähe der Kapelle. Gerne nehmen wir Anregungen zu Inhalten entgegen! Geplant sind   Schulungen und Meisterkurse, Kleinkonzerte und Musiker in Residenz zu beherbergen, im Sinn der Statuten der Mengelberg Stiftung.

Natur, Kultur und  überraschende Annehmlichkeiten für der Gast sind Zu­orter Spezialitäten.

Zuort soll einem breiten Publikum dauerhaft zugänglich bleiben.

Diese Maxime fordert einen „Kol­lektiven Selbsterhaltungstrieb“ mit seinen drei Komponenten: 1. ideelles Gedankengut 2. kollektives Eigentum 3. wirtschaftliche Eigenleistung.

Der gemeinnützige Verein „Cumpagnia Zuort“ und die Stiftung „Fundaziun Zuort“ sind im Aufbau.**

Eine betriebliche Selbsterwirtschaf­tung ist auf versprechendem Weg: Hof Zuort gehört seit Herbst 2012 zur Gruppe der Swiss Historic Hotels und eine differenzierte Nachfrage nach diesem ganzjährigen Nischenangebot steigt deutlich, auch international.
 
**Anfragen über  info(at)}zuor.ch